Evenepoel-lipowitz-drama: lefevere prophezeit eskalation im tour-team

Remco Evenepoels scharfe Kritik an seinem ehemaligen Teamkollegen Florian Lipowitz hat die Sportwelt im Sturm erfasst. Der Konflikt zwischen Red Bull-Bora-hansgrohe sorgt für weitere Unruhe in der Tour de France.

Lefevere: ‘evenepoel ist das alphatier der alphatiere’

Der ehemalige Teamchef Patrick Lefevere sieht in der Auseinandersetzung nichts Überraschendes. «Es tut mir leid, aber das stand in den Sternen geschrieben», kommentierte der belgische Manager in seiner Kolumne für ‘Het Nieuwsblad’. Lefevere kennt Evenepoels Charakter aus erster Hand: «Er ist das Alphatier unter den Alphatieren. Ich, ich und ich. Eine geteilte Kapitänsrolle existiert in seinem Kopf nicht.»

Der Auslöser des Streits war die sechste Etappe, als Evenepoel Lipowitz bat, die Sprint-Anfahrt übernehmen zu lassen. Diese Bitte wurde abgelehnt, was den jungen Belgier verärgerte. Lefevere betont, dass Lipowitz diese Aufgabe schlichtweg nicht zu seinen Stärken gehört. «Fragen darf man natürlich. Ob Lipowitz darauf eingehen muss, ist eine andere Sache.»

Evenepoels öffentliche Erklärung, Lipowitz ihm nach der Katalonien-Rundfahrt einen Gefallen schulden müsse, findet Lefevere ebenfalls nicht erstaunlich. «Ich kenne Remco, deshalb weiß ich, dass er solche Rechnungen im Kopf macht», erklärt der 71-Jährige. «Im Radsport hilft man sich zwar oft mit dem Gedanken, später etwas zurückzubekommen. Aber in diesem Fall sind das zwei unterschiedliche Situationen. Remco hätte das nicht so deutlich ansprechen sollen.»

Der druck des deutschen teams

Der druck des deutschen teams

Lefevere sieht die eigentliche Ursache in der Veränderung im Team. Bei Soudal Quick-Step war Evenepoel stets unumstrittener Kapitän gewesen. Bei Red Bull-Bora-hansgrohe muss er sich nun mit Lipowitz um die Rolle streiten. «Wenn man seinen bisherigen Rennstall für ein besseres Gehalt und vielleicht auch bessere Bedingungen verlässt, gehört so etwas eben dazu», so Lefevere. «Bei uns war Remco immer die klare Nummer eins. Ein deutsches Team wird einen deutschen Fahrer, der im Vorjahr Dritter der Tour geworden ist, natürlich nicht zur zweiten Geige machen.»

Lefevere geht davon aus, dass die Spannungen noch eine Weile anhalten werden. «Die echte Lösung wäre wohl, dass einer der beiden Kapitäne einmal einen schlechten Tag erwischt. Das wünsche ich Remco nicht – und so wie er derzeit fährt, erwarte ich das auch nicht. Bis zur nächsten schweren Bergetappe ist aber noch Zeit. Genug Zeit, um alles auszusprechen, aber auch genug Zeit, damit der Unmut weiter unterschwellig wächst.»