Politt: vom etappensieger zum unbesungenen helfer pogacars
Bergerac – Nils Politt, einst strahlender Etappensieger der Tour de France, hat seine Ambitionen hintenangestellt und sich in den Dienst von Tadej Pogacar gestellt. Einmal mehr bewies er bei der sengenden neunten Etappe seine außergewöhnliche Vielseitigkeit und taktische Intelligenz – und verdiente sich damit erneut die Bewunderung seines Kapitäns.
Die giraffe im wind: politts opferbereitschaft
Die Hitze in Südfrankreich war unerbittlich, doch Nils Politt, von Pogacar liebevoll „meine Giraffe“ genannt, schwebte förmlich im Peloton. Kilometer um Kilometer zog er das Feld an, egal ob im Flachen oder am steilen Col d’Aspin. Seine Leistung war schlichtweg herausragend, vergleichbar mit der eines Wout van Aert – und das für seinen Kapitän.
„Du stehst die gesamte Zeit von Kilometer null bis zum Ziel unter Spannung. Du musst jeden Moment bereit sein, unvorhergesehene Aufgaben zu lösen“, erklärte Politt der ARD. Die mentale Stärke, die er dafür aufbringt, ist beeindruckend. Drei Wochen lang voll konzentriert zu sein, ist eine harte Prüfung – aber Politt scheut sie nicht.

Pogacar lobt seinen „verrückten jungen“
Tadej Pogacar, der sich mit großem Vorsprung das Gelbe Trikot gesichert hat, überschwappte nach seinem epischen Etappensieg vor Begeisterung für sein Team. „Nils Politt ist einer der besten Helfer der Welt, wenn nicht sogar der Beste in seinem Job“, erklärte der Slowene. Diese Worte sind ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr Pogacar die Leistung seines deutschen Teamkollegen schätzt.
Es ist ein Tausch: Politt hat seine eigenen Erfolgsbestrebungen gegen den leisen Ruhm eines Schattenmannes eingetauscht – ähnlich wie einst sein ehemaliger Teamkollege Tony Martin in seinen späten Visma-Jahren. 2021 feierte er in Nimes noch einen eigenen Tour-Etappensieg, doch nun stehen andere, weniger persönliche Erfolge im Vordergrund: Pogacar zum fünften Gesamtsieg führen.

Mehr als nur tempo: die kunst, pogacar zu bremsen
Doch Politts Aufgabe geht über das reine Machen von Tempo hinaus. Manchmal, so gesteht er, müsse er sogar Pogacar bremsen. „Tadej ist ein herausragender Teamplayer und schafft es so, dass jeder von uns gern alles für ihn gibt“, bestätigte Politt. Diese Fähigkeit, sowohl zu beschleunigen als auch zu verlangsamen, macht ihn zu einem außergewöhnlichen Helfer.
In seinem dritten Jahr bei UAE könnte Politt nun zum dritten Mal mit Pogacar den Toursieg feiern. Er gehört zum engsten Kreis um den womöglich besten Radfahrer der Geschichte – und dieser hört auf seine „Giraffe“. Ein Mann, der im Wind kämpft, die Hitze erträgt und bereit ist, sich selbst zu überschreiten – für den Erfolg seines Teams. Ein Held der Tour, der im Schatten brilliert.