Melli schießt alarm: fußball-spektakel oder bloße torflut?
Der Champions-League-Halbfinal-Hinspiel zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern drohte, sich zu einem weiteren Torrausch zu entwickeln. Doch Ex-Nationalspieler Alessandro Melli (56) hat die Nase voll und schießt alarm.
Verteidigung? manndeckung? – melli wirft dem modernen fußball den vogel zu.
„Ich schwimme gegen den Strom“, twitterte der italienische Fußball-Legende, „aber zwischen VAR und einem Spiel, in dem es kaum um Verteidigung, Manndeckung oder einen Mittelfeldblock geht, wird mir von diesem Fußball regelrecht übel.“ Melli sieht in dieser Entwicklung eine Gefahr: Der Fußball, so seine These, wird zunehmend zur NBA – mit unzähligen Toren und wenig taktischem Tiefgang. Die Nordamerikanische Liga ist bekannt für Spiele mit über 100 Punkten pro Team. Im Schnitt erzielten die Teams in der Saison 2024/25 etwa 115,5 Punkte pro Spiel.
Was steckt hinter Mellis Kritik? Er kritisiert die aktuelle Spielphilosophie, die vor allem auf das Erzielen von Toren ausgerichtet ist. „Früher war Toreschiessen anstrengend, schwierig und kompliziert, und doch gab es zu meiner Zeit sicherlich keinen Mangel an Champions, im Gegenteil“, erinnert sich der ehemalige Stürmer. „Aber um ein Tor zu erzielen, musste man hart dafür arbeiten, selbst die Champions mussten sich enorm anstrengen.“ Heute herrscht die Idee, dass jede Aktion ein potenzielles Tor sein kann – das dient natürlich der Einschaltquote der Sender.

Milan gegen juventus: ein beispiel für den gewünschten fußball
Melli bevorzugt Spiele wie die Duelle zwischen AC Mailand und Juventus Turin, bei denen in den letzten sechs Spielen vier Partien 0:0 endeten. „Natürlich bevorzuge ich zwischen Milan-Juve tausendmal Letzteres“, erklärt er. „Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass wir mit diesem Trend, bei dem die Kultur des Verteidigens praktisch verloren geht und Regeln und VAR Spielsituationen verändern, am Ende Spiele sehen werden, die 7:5 oder 6:6 oder noch höher enden.“
Auch Eberl, Sportdirektor des FC Bayern, hat die zunehmende Anzahl an Toren kritisch beäugt: „Abgeklatscht, als ob sie schon durch sind.“ Er sieht ein Problem in der Fokussierung auf das Tor. Die 5:4-Niederlage gegen PSG war ein Spektakel, aber mit einem klaren Schönheitsfehler. Die England-Legenden rechnen ebenfalls mit dem Schiri im Leverkusener Spiel.

Ein blick in die zukunft
Mellis Worte sollten zum Nachdenken anregen: Der Fußball muss sich neu erfinden, wenn er nicht in eine reine Torflut abgleitet. Ein Spiel, in dem die Defensive keine Rolle mehr spielt, ist kein Fußball mehr, wie wir ihn kennen. Es ist eine Entwicklung, die nicht nur Fans, sondern auch Experten beunruhigt. Die Zahlen sprechen Bände: Die Punktzahlen steigen, die Spiele werden schneller, die Torgefahr ist hoch. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, bleibt abzuwarten. Der ehemalige Stürmer Melli spielte in seiner Karriere unter anderem für den AC Mailand, 1993 absolvierte er außerdem zwei Länderspiele für Italien. 2001 beendete er seine Karriere.